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2008.03.15
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WAZ 2008.03.15
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Behinderten drohte Abbruch der Lehre

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08.03.15 (Sa) GE  

Schon klar, dieser Artikel passt eigentlich nicht ganz zu den anderen Berichten auf www.FrankAnne.de. Da ich aber ebenfalls bereits seit 1960 an den Folgen von Polio leide, und auch in einer Polio-Selbsthilfe-Gruppe aktiv bin, veröffentliche ich ihn hier trotzdem.

Mein Kommentar: 

Die WAZ ist sicherlich alles andere als meine 1. Wahl bei den  Zeitungen. Selbst die viel gerügte BILD finde ich interessanter, weil diese wenigstens manchmal heiße Sachen bringt, die ich in der WAZ viel zu selten finde. Eine löbliche Ausnahme der Artikel von heute.


WAZ 15.3.2008 DerWesten.de/Gelsenkirchen

Behinderten drohte Abbruch der Lehre

Weil sie ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten konnte und zunächst keine Zuschuss von IAG erhielt.
Politik schaltete sich ein.

Von Lars-Oliver Christoph

 

Das war wie ein Sechser im Lotto: Nach langjähriger Suche fand eine wegen einer Kinderlähmung zu 100 Prozent schwerbehinderte Libanesin endlich eine Lehrstelle. Im Sommer 2007 trat die 25-Jährige (Name der Redaktion bekannt) ihre Ausbildung als Bürokauffrau auf Hof Holz bzw. bei den Gelsenkirchener Werkstätten an. Doch schon wenige Wochen später drohte das vorzeitige Aus, weil die in einer barrierefreien Wohnung lebende junge Frau mit ihrer Ausbildungsvergütung von 460 Euro nicht ihren Lebensunterhalt bestreiten konnte. Beim Integrationscenter für Arbeit suchte sie Hilfe. Doch was ihr dort von einem Mitarbeiter empfohlen habe, könne sie heute noch nicht fassen. „Er hat mir geraten, entweder die Ausbildung abzubrechen oder aus der Wohnung auszuziehen“, berichtete sie.

Es habe auch in einem ähnlichen Fall schon einen Abbruch gegeben, habe der Mitarbeiter gesagt.

Hintergrund: Im Normalfall habe Auszubildende keinen Anspruch auf Hartz IV bzw. ergänzende Leistungen. Und wenn Lehrlinge – wie im Fall der 25-Jährigen- keine Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) beziehen, kann das IAG sie laut Gesetz nicht unterstützen.

Durch die Vermittlung eines Bekannten der 25-Jährigen schaltete sich die Ratsfraktion Die Linke/AUF in den Fall ein. „Der Vorschlag des Integrationscenters ist absurd und völlig unverständlich“,

sagt Wilma Mittelbach (AUF), die Mitglied im Integrationsrat der Stadt ist. Absurd deshalb, weil die Libanesin beim Abbruch der Ausbildung wieder Hartz IV beziehen müsste-„und damit dem Steuerzahler mehr als das Doppelte kosten würde“.

In einem Brief machte sie IAG-Geschäftsführer Reiner Lipka auf den Fall.

aufmerksam und bat ihn, der Sache nachzugehen.

Ergebnis: Das IAG und vor allem Reiner Lipka hätten es schließlich möglich gemacht, um der Auszubildenden doch noch zu helfen, so Mittelbach. Für die 25-Jährige konnte schließlich formal ein Anspruch auf eine (geringe) Berufsausbildungshilfe durchgesetzt werden, so dass das IAG ihre Miete zu großen Teilen übernehmen konnte.

Er könne sich nicht vorstellen, dass ein Mitarbeiter geraten habe, die Lehre abzubrechen oder auszuziehen, sagte ein IAG-Abteilungsleiter auf WAZ-Anfrage. Fakt sei: Das IAG habe der 25-Jährigen „alle mögliche Unterstützung“ angeboten. Wegen der Umstände sei dies ein absoluter Ausnahmefall. Und: Für das Handeln des Integrationscenters und den Ausgang des Falles habe es keine Rolle gespielt, dass Die Linke/AUF sich eingeschaltet hat.
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Bernd Schreiber Gelsenkirchen
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